Mission Kwasizabantu

Lebensbild: Harald und Lilo

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Im Strudel der wilden 68er Generation
Harald Tilly ist Oberstudienrat und unterrichtet Biologie und Chemie an einer hessischen Schule. Er und seine Frau Lilo berichten aus ihrem Leben.

Wir waren nicht immer eine intakte Familie. Wir begannen ganz gut, aber dann sind sehr viele selbst verursachte Probleme aufgetaucht.

Woher kommen wir? Geistig gesehen sind wir ein typisches Nachkriegsehepaar, 1948 und 1950 geboren. Wir sind mehr oder weniger problemlos in geordneten Familienverhältnissen aufgewachsen. Es gab also keine größeren Nöte, denn der Krieg war ja vorbei. Wenn ich mir zurückblickend das überlege, sehe ich einen Vorteil, aber auch einen Nachteil. Der Vorteil war einerseits, daß wir keine nennenswerten Entbehrungen erlebt haben und dadurch vielleicht eine negative Einstellung zum Leben bekommen hätten. Der Nachteil war, daß wir andererseits zu unkompliziert aufwuchsen und dadurch manche Dinge zu leicht nahmen. Wir eigneten uns eine Lebenseinstellung an, die man folgendermaßen charakterisieren könnte: Das Leben ist schön. Man soll so leben, daß man Spaß hat. Natürlich sollte man auch eine gute Ausbildung haben und mit den Leuten gut auskommen. Dazu gehört selbstverständlich, daß man seinen Vorteil nutzt, um es beruflich möglichst weit zu bringen.

Meine Erziehung in geistlicher Hinsicht war von einem Christentum geprägt, das aber nicht aktiv gelebt wurde. Man ging sonntags zur Kirche oder auch nicht, man wurde konfirmiert, man heiratete kirchlich, und irgendwo gab es sogar Gott; ebenso den Begriff „Jesus“. Aber wir waren mit Glaubensdingen doch nicht so sehr vertraut.

Ich selbst stamme aus einem Haus ordentlicher Eltern, die sehr fleißig waren und sich einen kleinen Wohlstand erarbeitet hatten. Meine Frau Lilo kommt auch aus einer gut bürgerlichen Familie, wo der Vater sehr beamtenmäßig lebte und auch einen klaren Lebensrhythmus hatte. Wir Jugendlichen empfanden das nicht als sehr erstrebenswert, sondern wir fanden das eher spießig. Es war eine Welt, aus der man möglichst bald heraus wollte. Draußen gab es viel  interessantere Dinge  als in dieser ruhigen, gesicherten Welt unserer Eltern.

Für mich war es deshalb sehr spannend, als ich nach der Bundeswehrzeit mit 20 Jahren  nach Darmstadt in die Großstadt kam, um zu studieren. Ich lebte in dieser Zeit nach dem Motto „Stadtluft macht frei“ ohne soziale Kontrolle wie in meinem Heimatdorf. Ich machte zuerst einmal die Dinge, auf die ich neugierig war. Das bedeutete für mich als jungen Mann Gaststätten, Diskotheken, Mädchen, Freunde, natürlich auch das Studium. Es war eine bunte Zeit, die ich auch menschlich gesehen durchaus genossen habe. Ich hatte genügend Geld, es gab Stipendium und Unterstützung von den Eltern, ein Auto, eine schöne Wohnung. Ich führte ein Leben ohne Zwänge und Verpflichtungen mit vielen Freiräumen, und das Studium fiel mir leicht. Das Leben stellte für mich damals ohne weiteres einen Höhepunkt dar. Dann lernte ich auch relativ früh meine Frau kennen, was ich durchaus als eine Fügung Gottes sehe, auch wenn wir uns in einer Diskothek kennengelernt haben.

Meine Lebenseinstellung und die meiner Mitkommilitonen war diese: lustbetont, selbstbezogen, egoistisch. Woher kam das? Wir wollten natürlich eine Begründung für unseren Lebensstil. Nun, diese kam im wesentlichen davon, daß wir in der Schule und im Biologiestudium mit der Evolutionstheorie konfrontiert wurden. Ich habe mir daraufhin  gedacht, dass der Mensch, der sich als Endstufe der Evolution vorfindet, sich seinen Sinn selbst suchen muss.

Und der Sinn, der sich für uns Studenten daraus ergab, war der, möglichst elegant die Probleme zu umgehen und die schönste Zeit des Lebens kräftig auszunutzen. Wo König Zufall regiert, ist man keiner höheren moralischen Instanz Rechenschaft schuldig.

Meine Bekanntschaft mit Lilo weitete sich dann zu einer engen Beziehung aus. Vieles haben wir gemeinsam unternommen. Es kam der Tag, an dem uns klar wurde, dass wir heiraten sollten. Wir bekamen eine billige, schöne Wohnung und wurden mit zwei hübschen gesunden Kindern gesegnet. Ich hatte einen guten Beruf mit einem anständigen Verdienst. Eigentlich war das ein positiver Anfang, für den wir hätten sehr dankbar sein sollen.  Damals genossen wir das einfach. Aber, wenn es einem zu wohl ist, neigt man dazu, über die Stränge zu schlagen- und das haben wir kräftig praktiziert. Ich selbst war kein vorbildlicher Ehemann.

Wir lebten ja noch in der Zeit der Studentenrevolution, und da war der Teufel los – auf allen Gebieten! Dem normalen bürgerlichen Menschen gegenüber fühlten wir uns haushoch überlegen.  Wir wollten alle Zwänge und Tabus sprengen und uns in Richtung vollkommen freier Menschen entwickeln, die vor niemand und nichts Angst haben. Im Grunde genommen schwebte uns ein Paradies auf Erden mit viel Vergnügen vor. Man kann sich vorstellen, daß eine Ehe, die in einer solchen geistigen Haltung geschlossen und geführt wird, dem Einzelnen zwar großen Freiraum gibt, aber insgesamt den Bestand der Ehe aufs Äußerste gefährdet. So war es auch bei uns. Wir haben l974 geheiratet, in den nächsten zwei Jahren kamen unsere Kinder zur Welt, l978 haben wir uns schon wieder getrennt, 1981 waren wir geschieden.

Dazwischen liegen solche Etappen wie zum Beispiel unser Kirchenaustritt. Wir wollten natürlich auch diesen alten Zopf beenden. Bis zur Scheidung lebten wir regellos und zügellos aber das intensiv. Auf die einzelnen Dinge einzugehen, ist nicht notwendig. Was in einem Menschen an Unreinheit und Bosheit steckt, weiß eigentlich ein jeder.

Wie es damals so üblich war, zog man als ritterlicher Mann aus, hinterläßt der Frau die Kinder, die Möbel und auch einen Unterhalt, wenn auch spärlich. Man ist natürlich auch traurig, denn eine Scheidung tut weh. Aber es gibt ja jede Menge Möglichkeiten, diese Trauer in neue Freude umzuwandeln. Und genau das habe ich dann getan. Auf meiner Seite sah das so aus, daß ich in eine eigene Wohnung mit einer neuen Partnerin gezogen bin.

Wenn ich meine Kinder sehen wollte, gab es in dieser Hinsicht keinerlei Probleme. Die Scheidungszeit stellte sich für mich nach einiger Zeit sehr positiv dar. Ich lebte genauso wie vorher mit derselben Lebenseinstellung, nur noch ein bißchen intensiver. Jetzt praktizierte ich ja eine wilde Ehe und hatte deshalb noch mehr Freiheiten. Es war also im Grunde genommen ein ungebundenes Leben. Ich habe gemacht, was ich wollte. Beruflich war ich einigermaßen erfolgreich.  In der Schule  hatte ich mir ein gewisses Ansehen erarbeitet und wurde auch befördert. Obwohl scheinbar alles glatt lief, hatte ich irgendwie das Gefühl, dass etwas nicht ganz heil war. Jetzt lasse ich aber meine Frau Lilo zu Wort kommen.
Irrwege

Lilo:Ja, von meiner Seite aus sahen unsere Ehejahre anders aus. Im Gegensatz zu meinem Mann waren für mich die äußeren Dinge wichtiger als das theoretische Philosophiegebäude meines Mannes.

Die Kinder waren noch klein und haben viel Kraft und Zeit gefordert. Außerdem hatte ich keine Ahnung, wie man eine Ehe führt. Man lernt alles mögliche, in der Schule und während der Berufsausbildung, aber wie man ein harmonisches Familienleben gestaltet, das wußte weder mein Mann noch ich. Nach dem Vorbild unserer Eltern wollten wir auch nicht leben.  Mir hatte es nie gefallen, daß der Mann das Sagen und die Frau wie ein Hündchen zu gehorchen hat, wie das in der Ehe meiner Eltern praktiziert wurde. So war es nur verständlich, daß ich meinem Mann genauso ungehorsam war wie meinem Vater. Unser Zusammenleben unterschied sich kaum von der Studentenzeit. Wir sind ausgegangen, hatten Freunde nebenher, waren uns untreu. Das führte natürlich automatisch zu Eifersuchtszenen und Auseinandersetzungen. Die Scheidung stand schließlich vor der Tür.

Nach der Scheidung habe ich nicht sehr lange getrauert. Ich war nun frei und genoß das Leben in vollen Zügen. Die Fähigkeit, alles alleine bewältigen zu können, gab mir das Gefühl der Stärke. Zusammen mit den Kindern war das Leben recht lustig. Eine Party jagte die andere. Ich entschloß mich dann, in einer Wohngemeinschaft zu leben.. Aber irgendwann kam mir zu Bewußtsein, daß mein ganzes Leben hohl und leer war. Wie konnte ich dieses innere Vakuum nun füllen? Da ich mich schon lange für Grenzerfahrungen interessiert hatte,  erweiterte sich mein Bekanntenkreis auch in dieser Richtung. Da waren Leute dabei, die sich mit Astrologie, Handlinienlesen und Pendeln beschäftigten.

Durch die Ausübung von Yoga  und Meditation glaubte ich anfangs, eine innere Ruhe zu verspüren. Aber nach Beendigung dieser Übungen zerplatzte dieses Gefühl wie eine Seifenblase. Meine Unruhe holte mich wieder ein. Beim Meditieren hatte ich auch Bilder gesehen. Andere Teilnehmer, die Haschisch rauchten, berichteten von gleichen Erlebnissen. Das faszinierte mich so, daß ich auch anfing, Haschisch zu rauchen. Und so schlitterte ich in eine übersinnliche Welt hinein, voller Dämonen und finsterer Mächte. Durch einen Sterbefall in der Familie wurde ich mit der Gottesfrage konfrontiert. Intuitiv wußte ich dadurch, daß es einen Gott gibt. Aber ich war so in der okkulten Welt verstrickt, daß dieser Eindruck sehr schnell verschwand. Nun beschäftigte ich mich mit dem Buddhismus und Hinduismus.

Ich war beeindruckt von einem Leben, das man unter dem Sammelbegriff „New Age“ kennt. Aber einen echten Lebenssinn fand ich auch da nicht. Meine Suche danach blieb ergebnislos. Stattdessen fiel ich in tiefe Depressionen. Einen Ausweg suchte ich in der Askese, doch dann endete alles in zügellosem Leben mit wechselnden Partnern mit dem Ergebnis, daß ich schwanger wurde. Eine Abtreibung kam für mich jedoch nicht in Frage. Ich hatte schon einmal in jungen Jahren ein Kind abgetrieben, was schlimme seelische Folgen nach sich gezogen hatte. Ich wußte,daß ich dies nicht noch einmal verkraften würde. Und so wurde meine dritte Tochter unehelich geboren. Ich glaubte, durch die Geburt von Nadja das Glück gefunden zu haben, wonach sich mein Herz schon so lange gesehnt hatte. Doch nach einigen Monaten merkte ich ,daß selbst mein Kind diese innere Sehnsucht nicht stillen konnte.

Da passierte etwas Einschneidendes. Nadja wurde krank und bekam Fieberanfälle. Ich ließ sie von einem befreundeten Heilpraktiker-Ehepaar behandeln, jedoch ohne Erfolg. Jemand gab mir dann den Rat, doch einmal das Vaterunser zu beten, was ich auch versuchte. Im Konfirmandenunterricht hatte ich das Vaterunser zum letzten Mal gesprochen. Jetzt konnte ich mich nicht mehr genau an den Wortlaut erinnern. Immer wieder habe ich angefangen und blieb dann stecken, aber irgendwann klappte es schließlich. Doch das Fieber stieg in den folgenden Tagen immer wieder auf 41°C.

Die Nähe des Todes war im Krankenzimmer so stark zu spüren, daß ich furchtbare Angst bekam. Plötzlich stand ein Dämon vor mir in Gestalt eines schwarzen Teufels in mittelalterlicher Rüstung. Zu Tode erschrocken war mir klar, daß dieses Wesen die Seele meines Kindes forderte. Vor Entsetzen war ich wie gelähmt. In meiner Not schrie ich in meinem Herzen: „Gott, hilf mir, wo bist du?“ Ich wußte, wenn jetzt nichts passiert, dann muß Nadja sterben. Zusammen mit meinen großen Kindern haben wir zum Herrn Jesus um Hilfe gebetet  Instinktiv war mir plötzlich bewußt, daß ich nicht zu Buddha oder einem anderen Gott, sondern zu Jesus beten muß. Die darauffolgende Nacht konnte ich ruhig schlafen. Nach 3 Tagen war das Fieber verschwunden. Es gab für mich keinen Zweifel, daß Jesus mein Kind gesund gemacht hatte.

Von da an ging auch eine Veränderung in meinem Herzen vor. Plötzlich empfand ich eine Freude, die ich seit meiner Kindheit nicht mehr erlebt hatte. Gleichzeitig mußte ich aber auch über frühere Verfehlungen weinen. Wie vielen Menschen habe ich weh getan, wie unmöglich hatte ich mich meinem Mann gegenüber benommen! Ich war ein störrisches, egoistisches und untreues Menschenkind gewesen. Und immer mehr verstärkte sich das Gefühl in mir, daß ich meinen Mann um Vergebung bitten müßte.

Die Wende

Von Zeit zu Zeit besuchte mich eine Cousine, die schon lange für mich gebetet hatte. Eines Tages schenkte sie mir eine Bibel. Sie hatte wohl gemerkt, daß ich ins Fragen gekommen war und eine Antwort darauf suchte. Nachdem sie gegangen war, schlug ich die Bibel auf, und da stand in Joh. 14,6: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich. Das war die Antwort auf mein langes Suchen. Jesus selbst ist der Weg. ER ist die Wahrheit, ER ist das Leben! Eine tiefe Dankbarkeit erfüllte mein Herz über dieser Erkenntnis. Ich hatte Jesus gefunden! Aber eigentlich hatte er mich gefunden! Durch das Studium der Bibel gingen mir nach und nach immer mehr Sünden auf. Da wurde ich an gestohlene Sachen erinnert, die ich zurückbringen mußte. Wie oft hatte ich meine Schwiegermutter beleidigt. Durch die Scheidung war ja die ganze Familie in Mitleidenschaft gezogen worden. Bei all diesen Menschen habe ich mich dann entschuldigt.

Bei aller Freude über meinen neuen Glauben fühlte ich mich jedoch sehr allein. Zunächst dachte ich, ohne Gemeinde auskommen zu können. Aber dann zog es mich zu Gleichgesinnten, zu Menschen, die Gott kennen, die Bibel lesen und zusammen beten. Danach sehnte ich mich jetzt. Durch die Vermittlung einer Freundin aus der Baghwan-Sekte, in die ich beinahe auch geraten wäre, bekam ich Kontakt mit bibelgläubigen Christen in einem Hauskreis. Nachdem die Leiterin meine Lebensgeschichte gehört hatte, erklärte sie mir: „Ich glaube, daß Gott eure Ehe wieder heil machen will.“ Also, das war ja ein Ding! Ich konnte es mir überhaupt nicht vorstellen, daß Gott meine Familie und meinen Mann zurückbringen würde. Und wie würde ein gemeinsames Familienleben nach all den Verirrungen und der langen Zeit aussehen? Nein, dazu war ich irgendwie noch nicht bereit.

Die Gläubigen beteten dann zwei Jahre lang, bis die Vorstellung einer Wiederherstellung meiner Ehe in meinem Herzen Gestalt annahm. Nach diesen zwei Jahren konnte ich dann auch für die Rückkehr meines Mannes mit beten. Und Gott war dabei, seine Rettungsaktion fortzuführen. 1988 lud mich ein Gemeindeglied zu einer Familienfreizeit ein mit der Bemerkung: „Lade doch deinen Mann auch dazu ein!“ Das wäre doch die Gelegenheit, ihn mit Jesus in Kontakt zu bringen!“ Das war eine gute Idee, aber was würde mein Mann dazu sagen?

Ein Neuanfang bahnt sich an

Harald: Ich willigte tatsächlich ein mitzukommen, wußte aber nicht, was mich dort erwartete. Mit Sicherheit würde es ein friedliches, aber langweiliges Wochenende werden. Zumindest könnten die Kinder einmal wieder eine komplette Familie erleben. Die Fahrt in den Harz war recht romantisch, die Unterbringung dagegen weniger. Wir wurden wie in einer Jugendherberge untergebracht. Aber irgendwie fand ich es dann doch ganz nett und fühlte mich in meine Schulzeit zurückversetzt. Die Menschen, denen ich dort begegnete, waren allerdings ganz anders als gewohnt, etwas naiv in meinen Augen, aber zumindest friedlich. Abends trafen wir uns bei Gitarrenmusik. Beim Gottesdienst saß ich mit meiner Frau und den Kindern in der ersten Reihe. Irgendwann mußten wir dann alle aufstehen. Schlagartig wurde mir klar: Ich stehe hier mit meiner Familie – das ist der Platz, wohin ich gehöre! Es war mir, als ob mich Jesus persönlich angesprochen hätte, und als ob ich nach Hause gekommen wäre. Rückblickend betrachte ich dieses Ereignis als den Moment meiner Bekehrung, den Gott  mir geschenkt hatte. Am gleichen Abend fühlte ich mich gedrungen, mein Leben Jesus Christus zu übergeben.

Als total veränderter Mensch fuhr ich von dieser Freizeit nach Hause. Ich lebte ja noch mit meiner Freundin zusammen. Meine Veränderung war ihr sofort aufgefallen:“ Die haben dir da oben eine Gehirnwäsche verpaßt! Deine Augen sind so ganz anders!“ Zunächst versuchte ich noch, diese Beziehung aufrechtzuerhalten, denn schließlich liebte ich diese Freundin noch. Im tiefsten Herzen wußte ich jedoch, daß ich zu meiner Familie gehöre. Die Frage war nur: Wie sollte ich das bewerkstelligen? Von meinen Gefühlen wurde ich hin- und her gerissen. Doch irgendwie war ein Knacks entstanden. Es war nicht mehr so wie früher. Ich wußte, daß der Herr Jesus eine Trennung von meiner Freundin von mir verlangt. Aus diesem inneren Ringen heraus betete ich:“ Herr Jesus, ich kann das nicht, was du von mir forderst, bitte hilf mir!“

Was mir unvorstellbar war, trat ein: Durch Gottes Eingreifen war ich imstande, mich von meiner Freundin zu trennen. Danach kehrte ich dann zu meiner Frau und meinen Kindern. Zurück. Wir zogen in ein gemietetes Haus mit getrennten Schlafzimmern. Leider war ich immer noch gefühlsmäßig gespalten zwischen meiner Freundin und meiner Frau. Es folgte eine Zeit der Zerrissenheit, unter der auch die Kinder enorm litten. Das war der Preis, den wir als Folge unserer zerrütteten Verhältnisse zu zahlen hatten.

Das verwüstete Land soll wieder gepflügt werden (Hesekiel 36,34)

Lilo: Auch mir zeigte der Herr Jesus auf der genannten Freizeit, daß er tatsächlich unsere Familie wieder zusammenfügen will. Ein Wort aus Hesekiel 36 wurde mir im Hinblick darauf zur festen Zuversicht. In Vers 34f heißt es:“Und das verwüstete Land soll bebaut werden, statt daß es eine Wüste war vor den Augen jedes Vorüberziehenden. Und man wird sagen: Dieses Land da, das verwüstete, ist wie der Garten Eden geworden, und die verwüsteten und zerstörten Städte sind befestigt und bewohnt.“ (rev. Elb.)

Als ich das gelesen hatte, wußte ich: Jetzt haben wir eine Scheidungswüste, aber Gott wird aus dieser Wüste einen Garten Eden machen, da ihm nichts unmöglich ist. Von diesem Zeitpunkt an war ich mir sicher, daß wir wieder heiraten werden, und daß Gott unsere Ehe nicht nur wiederherstellt, sondern er alles noch herrlicher machen würdet als vorher.

Von einer Sozialwohnung plötzlich in ein wunderschönes Haus mit Marmorböden, Einbauküche, Wendeltreppe und Kamin versetzt zu werden, kam mir vor, als wenn dasAschenputtel ins Schloß einzieht. Demgegenüber stand unser neues Zusammenleben, was allerdings noch einige Schwierigkeiten mit sich brachte. Die Situation, in der wir uns plötzlich befanden, war gar nicht so einfach. Aber Gott hatte schon eine Lösung für uns parat. Durch einen Schüler meines Mannes erhielten wir eine Einladung nach Rouffach in Frankreich, wo eine Freizeit mit südafrikanischen Missionaren stattfand. Zum ersten Mal hörten wir dort von der Erweckung in Kwasizabantu/Natal und eine Verkündigung, wie wir sie bisher noch nie vernommen hatten. „Da wird Harald gleich aus dem Zelt rennen“, jagte es mir während der Predigt durch den Kopf. Zu meinem Erstaunen erklärte er aber: „Du, das gefällt mir gut, was der Prediger da sagt. Danach richten wir uns!“ Es kam uns beiden so vor, als ob dieser Prediger unsere Geschichte kennen würde. Dennoch war mein Mann zunächst noch sehr kritisch.

Der Entschluß reifte dann 1992 bei uns heran, daß wir uns die Missionsstation Kwasizabantu einfach einmal ansehen sollten. Die Art und Weise, wie uns die schwarzen und weißen Mitarbeiter dort aufgenommen haben, hat uns sehr gewundert und bewegt. Wir wurden getragen und ertragen, so wie wir waren. In dieser Zeit wirkte das Wort Gottes gewaltig in unseren Herzen. Nach unserer Rückkehr schlossen wir uns einem Kreis gläubiger Christen in Bensheim an. Daß dies der richtige Schritt war, sahen wir daran, daß wir geistlich weiterwachsen durften.

Eine neue Weltsicht

Harald: Wie verlief nun mein geistliches Wachstum? Mehr und mehr beschäftigte ich mich mit der Bibel, umdie Ungereimtheiten der Evolutuionstheorie zu ergründen. In diesem Zusammenhang kam ich auch in Verbindung mit mehreren Wissenschaftlern, die auf diesem Gebiet arbeiteten. Am Ende meines langen Forschens ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen, daß die Evolutionslehre eine widergöttliche, verführerische Theorie ist, besonders für die intelligente Jugend in der Schule, die alles in sich aufsaugt. Heute bin ich ein leidenschaftlicher Gegner dieser Evolutionstheorie. Seitdem ist es mir ein Anliegen, unsere fehlinformierte Jugend aufzuklären.

Durch das anhaltende Bibellesen habe ich die Heilige Schrift wirklich lieb gewonnen und Richtlinien für mein Verhalten im Alltag bekommen.

Ein großes Fest und ein neuer Anfang

Nie hätten wir es uns vorgestellt, daß wir einmal eine Hochzeit mit vielen Gästen und einer Kutsche zusammen feiern würden. Unsere erste Hochzeit fand in Sandalen und Socken und einer geliehenen Jacke statt, also ohne Gott, so revolutionär wie nur möglich. Unsere zweite Hochzeit war also das glatte Gegenteil. So schön hatten wir es uns nicht vorgestellt. Befreundete Christen hatten uns diesen Tag zu einem unvergeßlichen Erlebnis gemacht.

Unter Gottes Segen starteten wir in eine neue Etappe unseres Familienlebens.

Manche werden sich jetzt fragen, wie wohl mein Verhältnis zu der unehelichen Tochter meiner Frau war, die ja jetzt auch zur Familie gehörte. Durch unsere Scheidung waren mir 10 Jahre in der Entwicklung meiner eigenen Kinder verloren gegangen. Und nun durfte ich eine wunderbare Erfahrung machen. Im Alten Testament lesen wir, daß Gott die verlorene Zeit erstattet, die die Heuschrecken gefressen haben. Und genau das geschah. Nadja wuchs mir immer mehr wie eine eigene Tochter ans Herz. Sie hat sich freiwillig dafür entschieden, eine christliche Internatsschule in der Schweiz zu besuchen. Dort genießt sie eine gute Erziehung, und wir freuen uns, daß sie einen geradlinigen Weg geht. Jetzt merke ich sogar, wie sehr sie mir fehlt.

Nach all den scheinbar unüberbrückbaren Hindernissen durften wir nun erfahren, daß Gott seine Verheißungen, die er uns gegeben hatte, erfüllte. Er hat buchstäblich das verwüstete Land in einen Garten Eden verwandelt, denn wir führen jetzt eine überaus glückliche Ehe. Es bleibt uns nur noch, Gott unser Leben lang für seine Gnade zu danken.

Den jungen Lesern möchte ich ins Stammbuch schreiben: Suche Gott, solange er zu finden ist. Es ist leichter, in der Jugend Jesus Christus sein Leben auszuliefern, bevor sich im Leben ein großer Sündenberg angehäuft hat. Aus eigener Erfahrung kann ich heute sagen, daß mir viele demütigende Erfahrungen erspart geblieben wären, wenn ich als junger Mensch das Heil in Jesus Christus ergriffen hätte.

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Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 13. September 2007 um 02:34 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Lebensbilder abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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