Mission Kwasizabantu

Lebensbild: Dieter

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Vom Staatsbankrott über den Lebensbankrott zur Wende

Der kleine Dieter war ein gern gesehener Junge. Als erstes Kind sozialistischer Landarbeiter kam er 1954 zur Welt und wuchs in einem mecklenburgischen Dorf auf. Seinen Eltern und den Nachbarn machte der kleine Junge Freude: Er grüßte immer freundlich und war ein nettes Kind. Dieter erinnert sich noch ganz gut an jene Zeit:

„Als ich ein kleiner Junge war, liebte ich den Herrn Jesus von ganzem Herzen. Meine Großmutter war eine Frau, die ein Gebetsleben führte, und auch meine Mutter glaubte an den Heiland. Allerdings tyrannisierte ich meine Eltern schon als Kleinkind mit Schreien und Bockigkeit. Sie mußten wegen mir viel leiden. Als ich in die Schule kam, durfte ich den christlichen Unterricht für Kinder im Pfarrhaus besuchen.

Hätte nicht alles gut gehen können? Nein! Ich war etwa 10 Jahre alt, als die Kommunistische Partei, die SED, in unser Dorf kam. Da erklärte mein Vater -er war ein Kommunist: ´Jetzt ist Schluß  mit der Kirche! Jetzt gehen wir in die Partei. Gott gibt es sowieso nicht!´ Und damit war meine christliche Ära beendet. Als der sogenannte Sozialistische Frühling angebrochen war, wurde ich Mitglied der FDJ. Wie machte sich ein solch seltsamer Frühling bemerkbar? Zunächst erkannte man ihn an den roten Fahnen und an den Transparenten. Vor der Friedhofsmauer stand eine Bretterwand. Darauf war zu lesen: „Kommt alle raus zum 1. Mai!“ – „Jeder volle Sack ist ein Schlag gegen die Bonner Ultras“ (CDU/CSU)

Die Bauern waren nun Genossenschaftsbauern und arbeiteten gemeinschaftlich Hand in Hand -wie es im Geschichtsunterricht hieß- auf den großen Feldern. Auf Verlangen der „Partei der Arbeiterklasse“ waren diese ehemals privaten Felder mehr oder weniger „freiwillig“ zusammengelegt worden. Die Erziehung der Kinder in den Kindergärten und Schulen wurde von der kommunistischen Ideologie und Moral bestimmt. So geriet auch ich unter den Einfluss der SED. Sie hatte das Sagen im Dorf und der  Einfluß der Kirche wich immer mehr. Statt in das alte Pfarrhaus ging ich nun in den Versammlungsraum der FDJ. Statt dem Singen frommer Lieder und dem Hören auf Gottes Wort waren jetzt Beatmusik und heiße DDR Schlager aus der Musikbox dran. Zigaretten, Alkohol, Tanzen und Flirten wurden zu meinem neuen Lebensinhalt.

Mit 14 Jahren hatte ich den Herrn Jesus vollkommen vergessen, aber der Herr Jesus hatte mich nicht vergessen! Dann kam der Tag meiner sozialistischen Jugendweihe. Die Partei hatte die Konfirmation in die kommunistische Weihe umfunktioniert. Dabei schwor ich dem Regime ewige Ergebenheit und Treue. An diesem Tag, an dem der Alkohol in Strömen floß, habe ich das Schnaps trinken und Rauchen gelernt. Das Ergebnis war, daß mir zum ersten Mal so richtig schlecht wurde.

Von da an  begann ich heimlich zu rauchen  und zu trinken, bis es schließlich zur Gewohnheit wurde. Ich nahm so zu, daß ich bald 110 kg auf die Waage brachte. Man muß sich einmal vorstellen, wie ein 15 jähriger Junge mit solch einem Gewicht aussieht! Durch meine äußere Erscheinung fühlte ich mich unwohl und von allen benachteiligt. Auch meine schulischen Leistungen wurden schlechter. Trotz strengstem Verbot soff und qualmte ich in der Schule und plagte meine Lehrer mit üblen Streichen, Lügen und Ungehorsam. Kurz vor dem Abitur mußte mein Vater mich sogar wegen einer Alkoholvergiftung von der Schule abholen! Welch ein Wunder: trotz allem hatte man mich nicht von der Schule verwiesen!

Aber das blieb nicht das einzige düstere Kapitel in meinem Leben. Jetzt kam die Tanzmusik dazu. Während der Schulzeit spielte ich in einer Band mit und da ging´s erst richtig rund. Zu allem Übel machten sich Geltungsdrang, Geldgier, Hurerei und Vergnügungssucht breit. In meinem Leben stimmte es nicht mehr.“

Gescheitert

Wie ging es mit Dieter weiter? Nach der Armeezeit 1976 heiratete er  und glaubte, daß er seiner Frau auf lebenslang treu bleiben könnte. Die Musik hängte er zunächst an den Nagel und bekam durch Beziehungen einen gut bezahlten Posten. Auf Kosten der Partei konnte er bei voller Bezahlung noch das Staatsrecht der DDR studieren. 1977 wurde seine erste Tochter geboren. Nach der Geburt seiner zweiten Tochter im Jahr 1980 machte er auch schon wieder in einer Band mit. Es sah so aus, als ob er vor der Verantwortung als Familienvater fliehen wollte. Immer tiefer geriet er in den Schlamm der Sünde.

Mehr und mehr litt das Familienleben, bis die Ehe schließlich nach sechs Jahren zerbrach. Er ließ sich scheiden. Dieter erinnert sich: „Eltern, Schwiegereltern, Frau und Kinder haben alle geweint und vor mir auf den Knien gelegen und gebettelt: ´Bleib doch hier!´ Aber ich habe das mißachtet und bin gegangen.

Ich wollte in die Welt hinaus, es hatte nicht gereicht, um meinen Lebensdurst zu stillen.“ Die Not meiner Angehörigen war unvorstellbar gross. Ich werde nie vergessen, wie es war, als  ich kurz nach der Scheidung aus beruflichen Gründen in die kleine Stadt mußte, in der meine Familie wohnte. Meine Töchter waren erst sechs und zweieinhalb Jahre alt. An jenem Tage mußte ich das Dienstauto in der Nähe des Marktplatzes parken.

Plötzlich ertönte eine sich vor Freude überschlagende Kinderstimme: ´Papa, Papa, Papa!´ Es war meine Große! Wie vom Blitz getroffen blieb ich stehen. Sie riss sich von der Hand ihrer Mutter los und stürmte auf mich zu. Fast rannte sie mich um, als sie mir strahlend vor Glück in die Arme sprang. Meine jüngere Tochter streckte mir ihre Ärmchen aus dem Kinderwagen entgegen. Mit Tränen in den Augen schaute die Mutter zu. Dieses Erlebnis zerbrach mir das Herz, aber es bewirkte keine Sinnesänderung in mir. Ich machte mit meinem abscheulichen Lebensstil weiter und jagte von einem Vergnügen zum anderen. Es war grauenhaft.

Als Funktionär und Konstrukteur im kommunistischen Staatsapparat der DDR hatte ich Einblick in die sozialistische Arbeitsmoral. Niemand tat etwas; alle warteten, bis der Chef kam. Die Leute wußten nicht, warum sie mehr tun sollten, als nötig. So kam es z.B. vor, daß wir in der Landwirtschaft die Maschinen einfach abstellten und das Getreide blieb auf dem Halm.

Der Sozialismus in der DDR hat versuchte, eine Jugend ohne Gott zu erziehen. Ich habe viele dieser Jugendlichen gesehen, die in große Not geraten sind. Die meisten von ihnen wußten 1989 nach dem Zusammenbruch der DDR nichts mehr mit sich anzufangen. Sie befanden sich in einem großen geistigen Vakuum. An dieser Stelle ist auch zu erwähnen, daß die SED, deren Mitglied ich war, öffentlich Rechenschaft über meinen Ehebruch forderte und mir eine Parteistrafe erteilte. Aber auch das brachte mich nicht zur Einsicht. Inzwischen lebte ich nämlich in einer wilden Ehe.

Aber auch diese Verbindung brach bald auseinander. 1989 ging ich eine neue Beziehung mit einer anderen Frau ein, die ich vier Jahre später heiratete. Aber auch diese Ehe scheiterte nach wenigen Jahren, und es kam zur zweiten Scheidung.

Neuanfang im Westen

Mit dem Fall der Mauer wurde Dieter zum Staatswissenschaftler ohne Staat. Er ging in den Westen um dort sein Glück zu suchen und bekam eine Anstellung im Außendienst einer Vertriebsfirma.  Aber auch hier ging es im alten Stil weiter. Wieder drehte sich alles um Geld, Vergnügen und  Karriere. Keine Sünde war ihm fremd. Sein Alkoholbedarf stieg enorm an. Drei bis viermal pro Woche war er total betrunken. Nach drei Jahren landete Dieter in einem totalen Tief:

„In meiner Einsamkeit überfiel mich große Furcht und ich fing an Gott zu suchen. Wie sollte ich ihn aber finden? War ich doch der Hurerei, dem Alkohol und vielen anderen Sünden verfallen. Inzwischen hatte ich einen Posten als Nachtwächter und hatte dadurch viel Zeit zum Lesen.

Ich verschlang Bücher mit den unterschiedlichsten Themen, von Psychosomatik bis Psychotherapie, von Astrologie bis Homöopathie, von Hinduismus bis Buddhismus. So geriet ich in die Fänge des Okkultismus. Für mehrere tausend Mark absolvierte ich sogar eine einwöchige Reinkarnationstherapie bei einem Heilpraktikerehepaar. Während dieser Therapie stürzte ich von einem psychischen Hoch in das nächste.

Von da an war ich gewissermaßen süchtig nach dem Okkulten, es faszinierte mich. Ich dachte daran, Heilpraktiker oder Astrologe zu werden. Bald begann ich auch damit, mir selbst und anderen Tarot – Karten zu legen und zu deuten.

So habe ich viel studiert, aber eigentlich nichts hat mich in meinem Suchen weiter gebracht. Zu alledem konnte ich nur mühsam meinen Lebensunterhalt verdienen. Bald saß ich auch ohne Wohnung und ohne Ziel in einem alten geliehenen Auto auf der Straße.

Kursänderung

Jetzt war Gottes Zeit gekommen, um in Dieters Leben einzugreifen: 1997 fand ich schließlich eine Arbeit in Berlin. Hier traf ich ein Ehepaar wieder, das ich drei Jahre nicht gesehen hatte. Mein Freund Dirk begrüßte mich mit strahlendem Gesicht und als ich das Wohnzimmer betrat, saß da seine Frau Ursula mit einem Baby auf dem Arm.  Ich war total überwältigt, denn, als ich meine Freunde das letzte Mal gesehen hatte, war das auf einer Party. Ursula, wie eine Modepuppe, Minirock, gestylte Haare, geschminkt! Und Dirk war wie ich: Trinker und Raucher. Ich wußte, daß sie sich damals scheiden lassen wollten.

Aber was ich nun sah, war etwas völlig anderes. Ursulas Gesicht strahlte Ruhe und Geduld aus. Sie trug ein langes, geschlossenes Kleid und das kleine, einjährige Kind saß brav und still ohne Quengelei auf ihrem Schoß. Es roch auch so sauber hier – ich dagegen stank nach Qualm. Ich rauchte wie ein Schlot – Ursula und Dirk hatten, wie ich erst jetzt erfuhr, schon seit zwei Jahren damit aufgehört.  Hier mußte etwas einschneidendes geschehen sein! Das war mir sofort klar. Die Scheidung hatte offensichtlich nicht stattgefunden, und statt dessen war Frieden, Liebe, Ruhe und ein Baby ins Haus  gekommen.

Nach diesem ersten Besuch fragte ich mich: ´Was haben die beiden, was mir fehlt?´ Ich empfand ein Sehnen in meinem Herzen. Es zog mich wieder zu dieser Familie hin. Und nun erfuhr ich das Geheimnis dieser wunderbaren Veränderung. Meine Freunde erzählten mir, daß sie ihr Leben Jesus ausgeliefert hatten. Jesus hatte ihre Ehe vollkommen geheilt.

Von da an traf ich mich öfter mit meinen Freunden und traf auch andere Gläubige. Von der Art, wie sie lebten und wie sie miteinander umgingen, war ich begeistert. Ich hatte das Verlangen, zu ihnen zu gehören. Vor kurzem hatte ich noch vor, mich einer buddhistischen Gruppe in Berlin anzuschliessen. Doch als ich diese Leute erlebte, gab ich meinen Plan auf.

Eines Tages wurde ich von ihnen zum Gottesdienst eingeladen. Bedauerlicherweise verstand ich kein Wort von der Predigt – ich war nämlich eingeschlafen. Aber dann folgte drei Tage später eine spezielle Predigt für mich.  Ich wollte gerade in meinem Hotel frühstücken und mir eine Zigarette anstecken. In diesem Augenblick sagte eine innere Stimme zu mir: ´Dieter, willst du das dem Herrn Jesus antun?´ Ich war so erschrocken, dass ich die Zigarette ausmachte und wegwarf.

Das war meine letzte Zigarette. Ich habe seither  nie wieder geraucht. Nachdem ich die Gemeinde meiner Freunde kennengelernt hatte, erfaßte mich ein tiefes Verlangen, mein altes Sündenleben ans Licht zu bringen und neu anzufangen. Ich ging zu einer seelsorgerliche Aussprache und habe über mein verdorbenes Leben gründlich Busse getan. Jesus Christus hat mir alle meine Sünden vergeben. Von diesem Tag an war es schluß mit Frauengeschichten, mit Lügen, mit Bosheit und mit dem Okkultismus. Alle okkulten Bücher landeten im Feuer und meine CD´s im Mülleimer. Das waren immerhin Werte von mehreren Tausend Mark. Jetzt bin ich wirklich befreit und glücklich, mein Leben hat einen Sinn bekommen.

Aber ein Problem war noch ungeklärt. Das wurde mir an einem Novembermorgen deutlich, als ich meine Bibel aufschlug. Ich las die Geschichte vom verlorenen Sohn in Lukas 15,11 ff. Danach war mir klar, daß ich wie der verlorene Sohn zu meinem Elternhaus zurückkehren und mich entschuldigen mußte. Der Gedanke daran erweckte in mir Unbehagen, und so schrieb ich erst einmal einen Brief.

Dann fuhr ich zu meinen Eltern, legte den Brief auf den Küchentisch und verschwand schnell wieder. Nach einem Tag kam ich zurück und da stand ich nun vor meinem Vater. Meine Mutter brach das Schweigen und forderte meinen Vater auf: ´Nun nimm doch deinen Sohn schon in die Arme´. Da schloß  mich mein Vater in die Arme, so wie er es getan hatte, als ich noch ein kleiner Junge war: ´Mein Sohn, ich verzeihe dir!´ und meine Mutter fügte hinzu: ´Wir haben dir doch schon lange verziehen!´

Oh, welch eine Freude durchströmte unsere Herzen! Dieses Geschehen ist eine der wichtigsten und schönsten Kostbarkeiten, die mir der Herr Jesus geschenkt hat. Ich durfte Frieden mit meinen Eltern schließen und die Liebe Jesu hat die Sohn – Elternbeziehung erst richtig schön gemacht.  Allein dafür kann ich Gott nicht genug danken.

Der nächste Schritt war dann das Schreiben eines Briefes an meine erste Frau, die Mutter meiner Kinder. Wir sprachen dann telefonisch miteinander und auch hier geschah es, daß mir meine Frau und die Kinder verziehen haben. Ich könnte noch viel berichten, wie der Herr Jesus in meinem Leben  gewirkt hat und wieviel Freude er mir geschenkt hat.

Ich kann nur sagen: Ein Leben mit IHM lohnt sich!

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Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 13. September 2007 um 02:21 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Lebensbilder abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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